Akupunktur für Kassenpatienten am Tiefpunkt?

Ein Leitartikel zum Jahresende
Gabriel Stux

In den vergangenen 30 Jahren hat sich die Akupunktur von einer eher exotischen Außenseitermethode zu einer viel angewendeten Standardmethode entwickelt. 10 % der Ärzte in Deutschland wenden die Methode in der täglichen Praxis an. Bisher hat Akupunktur also eine Erfolgsgeschichte in Deutschland. Es gibt auch kaum ein westliches Land, in dem die Akupunktur so häufig angewendet wird. Seit 30 Jahren praktiziere ich Akupunktur und habe viel über die Anwendung der Akupunktur geschrieben. Seit 8 Jahren regelmäßig in www.Akupunktur-aktuell.de. Aber jetzt nach den sensationell guten Ergebnissen der Modelluntersuchungen der gesetzlichen Krankenkassen, die eine überlegene Wirksamkeit der Akupunktur deutlich gezeigt hatten, gibt es eine im hohen Maße negative Entwicklung. Immerhin ist Akupunktur bei Rückenschmerzen doppelt so wirksam wie die übliche leitlinienorientierte Standardtherapie und bei Gonarthrose dreimal so effektiv. Bei Migräne ist Akupunktur mit nur 10 Behandlungen in 6 Wochen sogar etwas besser wirksam, als tägliche Medikamenteneinnahme für 6 Monate. Die Medizinbürokraten der Kassenärztlichen Vereinigung und der Gesetzlichen Krankenkassen reduzieren die Anwendung der Akupunktur für Kassenpatienten auf zwei Diagnosen und die Honorierung der Ärzte auf den Stand von 1985, auf 20 Euro je Sitzung. Mit dieser Akupunkturhonorierung kann man keine Chinesische Akupunktur nach den Regeln der Kunst praktizieren, weil man hier zunächst eine gründliche chinesische Diagnose der Therapie voranstellen muss. Die Folgen dieser wissenschaftlichen Untersuchungen sind für die Praxis der Akupunktur durch eine Verwestlichung der Anwendung gekennzeichnet: Die meisten Akupunkturärzte wenden jetzt westliche symptomatische Akupunkturen an, sie benötigen dafür meist sehr wenig Zeit. Sie gehen von westlichen Diagnosen und einfachen Symptomen aus, und setzen die Nadeln nach denselben symptomatischen Mustern wie sie Medikamente verschreiben: Diclophenac für Rückenschmerzen, alternativ nadeln sie Blase 40 und 60. Ganz einfach und schnell. Vor kurzem hat ein Orthopäde berichtet, er könnte 12 Patienten in der Stunde mit Akupunktur behandeln. Fließband pur, Akupunktur ohne Energie!

Akupunktur wird reduziert - Pharmaka dominieren die Medizin

Medikamente beherrschen unsere Medizin. Akupunkturanwendung wurde für gesetzlich versicherte Patienten auf zwei Indikationen reduziert. Der Stern beleuchtete in einer ausführlichen Darstellung die Praktiken in der Pharmavermarktung. Wie Ärzte in ihrer Verordnungspraxis beeinflusst werden, ist jedem Arzt gut bekannt. Pharmavertreter sind tägliche Besucher.

Wir zitieren nur ganz kurz, aus

Vorsicht, Pharma ! - Wie die Industrie Ärzte manipuliert und Patienten täuscht

„ ...Während jeder Krankenversicherte im vergangenen Jahr für Arzthonorare durchschnittlich 441 Euro zahlen musste, kosteten Arzneimittel jeden Versicherten satte 513 Euro. Eine Perversion des Systems: Seit 2001 geben wir für Pillen mehr Geld aus als für alle niedergelassenen Ärzte im Land. ... Spitzenmäßig wachsen dagegen die Einnahmen der Pharmaunternehmen. Vor zehn Jahren gaben die gesetzlichen Kassen noch 17 Milliarden Euro für Arzneimittel aus, im vergangenen Jahr waren es bereits 26 Milliarden - ein Plus von 48 Prozent...“

Quelle: Markus Grill, Stern, Nr. 34, 16.8.2007, Wirtschaft, Seite 100

Und noch mehr aus der Presse:

Gesundheit wird unbezahlbar Das deutsche Gesundheitssystem wird immer teurer und leider immer uneffektiver. Dies erkennen viele Menschen! Sie wenden sich von dieser Medizin mehr und mehr ab und sind nicht mehr bereit die oft unnötige Diagnostik auszustehen und die vielen verordneten Medikamente zu schlucken. Oft suchen sie nach Alternativen! Eine Allensbacher Umfrage vom November 2007 bringt es dies deutlich ans Licht. Dazu einige Zitate vorab aus der Sonntags FAZ vom 18. 11. 2007 mit der Überschrift:

Die Deutschen schlagen Alarm: Gesundheit wird unbezahlbar Das Vertrauen in das Gesundheitssystem schwindet. Die Bürger fühlen sich medizinisch immer schlechter versorgt.

Von Carsten Germis

“Die Mehrheit der Bevölkerung ist der Ansicht, dass die medizinische Versorgung in Deutschland in den vergangenen zwei, drei Jahren erkennbar schlechter geworden ist. Nach einer Studie des Allensbacher Instituts für Demoskopie und des Finanzdienstleisters MLP erwaten zwei Drittel der Befragten, dass die Kosten für Gesundheit in den kommenden zehn Jahren zwar deutlich steigen, eine gute Versorgung aber dennoch nicht mehr für alle gewährleistet sein wird. Entgegen den Beteuerungen der Politiker, die Beiträge zur Krankenversicherung stabil zu halten, rechnen 84 Prozent der Bürger mit höheren Beiträgen. 78 Prozent erwarten, dass es zu einer Zwei-Klassen-Medizin kommt, in der nur noch Wohlhabende sich eine gute Versorgung leisten können. Der Studie zufolge, die am kommenden Mittwoch in Berlin vorgestellt wird und dieser Zeitung in Auszügen vorliegt, ist das Vertrauen in die Leistungsfähigkeit des Gesundheitssystems deutlich gesunken.“ Detailliertere Zahlen werden aus Veröffentlichungen in den nächsten Tagen erwarten.

Warum ist unser Gesundheitssystem so teuer und so ineffektiv? Die These von Prof. Bruce Pomeranz, bekannter Neurophysiologe von der Universität Toronto von 1988, hat immer noch Gültigkeit: Die westliche medikamentöse Therapie und die nur auf Morphologie aufbauende Diagnostik ist in vielen Bereichen der Medizin wenig wirksam und hat deshalb eine sehr schlechte Kosten-Nutzen-Relation.