Akupunktur ohne nennenswerte Nebenwirkungen

Was ist eine gute Akupunktur?

Akupunktur ist eine sehr wirksame Therapie, häufig deutlich wirksamer als übliche Therapiemethoden und dies ohne nennenswerte Nebenwirkungen. Dies ist das Ergebnis der beiden großen Krankenkassenstudien ART und Gerac. Nebenwirkungen waren sehr selten, am häufigsten Blutergüsse an den Einstichstellen und vegetative Kreislaufreaktionen nach der Akupunkturbehandlung. Bei 10 Millionen Akupunkturbehandlungen in 4 Jahren während der Modelluntersuchungen der gesetzlichen Krankenkassen waren lediglich 3 Fälle von Pneumothorax aufgetreten und nicht 8, wie im Spiegel in einem Gruselartikel vor kurzer Zeit berichtet. Akupunkturnadeln sind aus einem Spezialstahl gefertigt, der nicht brechen kann. Ammenmärchen wie „abgebrochene Nadeln wurden schon im Rückenmark, im Kleinhirn und in der Blase gefunden“ sind Ausdruck eines Sensationsjournalismus ohne jedes Fundament.

Im sehr informativen Heft der Zeitschrift ÖkoTest mit dem Titel „Sanft heilen mit Nadeln“ (erschienen Mai 2007) werden auch die Nebenwirkungen der Akupunktur sehr gut beschrieben, nicht wie in dem bereits genannten sensationslüsternen Artikel des „Spiegel“.

Einige Leseproben: „ ... Wer sich beim Nähen schon mal mit einer Nadel gestochen hat, der weiß: Der Pikser schmerzt und manchmal tritt sogar ein bisschen Blut aus. Akupunkturnadeln sind zwar deutlich dünner und spitzer als herkömmliche Näh- oder Stecknadeln. Außerdem weiß der Akupunkteur, wo und wie man stechen muss.

Trotzdem kann es passieren, dass das Nadeln richtig weh tut und dass es an der Einstichstelle blutet oder sich unter der Haut ein Bluterguss bildet. Damit sind sie auch schon genannt, die häufigsten unerwünschten Nebenwirkungen einer Akupunktur. In den großen Krankenkassenstudien mussten die Ärzte die auftretenden Nebenwirkungen dokumentieren (siehe Tabelle). Betroffen waren etwa acht Prozent der mit Akupunktur behandelten Patienten. Dabei muss man allerdings berücksichtigen, dass bereits ein Bluterguss im Laufe von zehn Akupunktursitzungen mit jeweils zehn bis 20 Nadeln als Nebenwirkung festgehalten wurde. Selten sind es mehr als ein paar Tropfen – eben wie bei einem Nadelstich in den Finger. 

Die Nebenwirkung kommt etwa bei jeder 20. Behandlung vor. Ob es sich bei Nadelungsschmerzen tatsächlich um eine Nebenwirkung handelt, ist unter Akupunkteuren umstritten. Schließlich tut Piksen weh – und bei einer Spritze würde auch niemand den Schmerz als Nebenwirkung bezeichnen, er gehört einfach zur Behandlung. ... In zwei der großen Krankenkassenstudien wurden auch die Nadelungsschmerzen als Nebenwirkung erfaßt: Sie traten bei zwei bis vier Prozent der Patienten auf. ... Auch wenn immer wieder Horrorgeschichten über zerstochenen Lungen kursieren: Solche gefährlichen Nebenwirkungen sind extrem selten, wie die Krankenkassenstudien gezeigt haben.“

Nebenwirkungen im Überblick
  AOK-Studie Ersatzkassen-Studie TK-Studie
Einbezogene Patieneten 191.000 503.000 262.000
Nebenwirkungen gesamt (in %) 7,5 7,8 8,5
Nadelungsschmerzen k.A. 3,9 2,0
Blutungen /Bluterguss 5,2 3,9 6,1
Symptomverschlechterung 1,3 k.A. k.A.
Kreislaufschwäche /Schwindel /Erbrechen 0,7 0,4 0,7
Nervenverletzungen 0,1 k.A. 0,2
Entzündete Einstichstelle k.A. k.A. 0,3
vergessene Nadeln k.A. 0,3 k.A

Quelle: Veröffentlichungen der Studienergebniss, v.a. im Deutschen Ärzteblatt

Eine 1996 erfolgte Begutachtung der Akupunktur durch die amerikanischen National Institutes of Health (NIH) hebt die extrem niedrige Nebenwirkungs- und Komplikationsrate der Akupunktur besonders im Vergleich mit konventionellen Therapiemethoden z. B. in der Schmerztherapie hervor. Trotzdem gibt es auch hier seitene Möglichkeiten für Nebenwirkungen, meist jedoch bei unsachgemäßer Anwendung der Akupunktur. Kollaps und Ohnmacht nach der Akupunktursitzung werden v. a. bei psychisch labilen, angespannten ängstlichen und kreislaufschwachen Patienten bei Anwendung der Akupunktur in sitzender Haltung beobachtet. Sie tritt in ca. 5% der Fälle bei sitzenden Patienten in den ersten Behandlungssitzungen auf. Zur Vermeidung dieser häufigsten Komplikation sollten die Patienten liegend behandelt werden. Schmerzempfindung während der Akupunktur ist zum großen Teil auf mangelhaftes Nadelmaterial oder auf eine ungeschickte Nadelungstechnik zurückzuführen. Schmerzen können auch durch Muskelbewegungen des Patienten ausgelöst werden, deshalb sollte sich der Patient während der Behandlung nicht bewegen. Diese einfachen Aspekte sind in der Praxis von großer Bedeutung, denn der Einstichschmerz kann sich leicht als entscheidendes Therapiehindernis auswirken. In extrem seltenen Fällen kommt es nach dem Ziehen der Nadeln zu persistierenden Schmerzen, die meist nach 1- 2 Tagen abklingen. In 1 zu 20 bis 50 gesetzten Nadeln kommt es zur Bildung von Hämatomen nach dem Ziehen der Nadeln.

Deutliche Rötungen nach dem Entfernen der Nadeln sind normale Reaktionen durch lokale Histaminausschüttung. Patienten die mit starken Rötungen nach dem Ziehen der Nadeln reagieren, zeigen meist schnelle therapeutische Wirkungen. Verletzung von Organen (Lunge, Rückenmark, Gallenblase, Nieren, Augen) sind in der Literatur beschrieben. Jedoch treten solche Verletzungen äußerst selten nur bei unzureichender anatomischer Kenntnis oder grob-fahrlässiger Anwendung auf und stellen schwere Kunstfehler dar. Lokale Infektionen treten durch unzureichendes Nadelmaterial und übermäßiger Traumatisierung der Haut auf. Jedoch sind solche Infektionen extrem selten, da offenbar die Abwehrkraft des Gewebes gegenüber einer glatten, geschlossenen Metallnadel sehr hoch ist. Eigene Beobachtung von über 200 000 Akupunkturbehandlungen zeigte keine lokale Infektion. Der Ohrmuschelknorpel ist wegen seiner geringen Durchblutung und dem Fehlen von subkutanem Bindegewebe infektionsgefährdet. Wir empfehlen daher bei der Aurikulotherapie flach zu nadeln, so daß die Nadelspitze subkutan dem Knorpel anliegt, ohne einzudringen. Da der Knorpel selbst nicht innerviert ist, dürfte es auch beim Zustandekommen der therapeutischen Wirkung keine Rolle spielen; diese geht wohl nur von der komplex innervierten Haut der Ohrmuschel aus. Erst recht muß diese Gefahr lokaler Infektion bei der Behandlung mit Ohrdauernadeln beachtet werden. Deshalb bevorzugen wir die Anwendung von Ohrkügelchen, die ihre Wirkung durch Druck auf die Haut, ohne deren Perforation ausüben.

Akupunktur ist in der Praxis bei kompetenter Anwendung fast nebenwirkungsfrei.