Ein Neubeginn für die Akupunktur wird möglich

Raus aus der einengenden Gängelung und Verwestlichung

Gabriel Stux

Ab Anfang 2007 wird die Akupunktur in das kassenärztliche Medizinsystem der gesetzlichen Krankenkassen integriert und über den Krankenschein abgerechnet. Nur noch für zwei Diagnosen, bei chronischen Rücken- und Knieschmerzen die länger als sechs Monate bestehen wird die Akupunktur für Kassenpatienten erstattet. Diese Erstattung wird nach Punkten zu niedrigen Sätzen erfolgen. Zu Honorarsätzen, die dem Stand von 1985 entsprechen und zwar ca. 15-20 Euro je Behandlungssitzung. Die Patienten dürfen in diesem Kassensystem nicht wie bisher üblich selbst zuzahlen.

Bei einem solchen Honorarsatz wird die Akupunktur zukünftig in einer wenig Zeit beanspruchenden einfachen Form praktiziert und zwar nur nach westlichen Gesichtspunkten, ähnlich der Anwendung der medikamentösen Therapie. Nach den Prinzipien der Rezeptakupunktur, stehen einfache Kombination von Punkten im Mittelpunkt der Therapie, ohne eine vorangehende chinesische Diagnose, auf die eine ganzheitliche Therapie mit Akupunktur aufgebaut sein sollte.

Akupunktur eine Heilkunst mit Energie

Im Mittelpunkt einer Chinesischen Akupunktur steht die Vorstellung, dass Krankheiten auf Störungen der Lebensenergie des Patienten beruhen. Entweder liegt eine Schwäche, ein Zuviel, oder eine Blockade d. h. ein unzureichendes Fließen der Lebenskräfte der Meridiane oder der inneren Organen und deren Funktionen vor. Wenn zum Beispiel die Verdauungsfunktion der oberen Magen-Darm-Organe vermindert ist, also die Nahrung nicht ausreichend verdaut wird, bedingt dies häufig auch eine Schwäche anderer Organe. Oder wenn die Atmung blockiert ist, man dadurch nicht ausreichend tief atmet, auch hier entsteht als Folge eine Schwäche der Lebenskräfte. Bei der Anwendung der Chinesischen Akupunktur wird im ersten Schritt eine energetische Diagnose, sowohl der oberflächlichen Meridianebene, als auch der tiefen Organebene gestellt. Die Akupunktur in Verbindung mit anderen Methoden wie Atemübungen des Qi Gong oder Ernährungsberatung und Bewegungsübungen harmonisieren die gestörten Lebenskräfte: Schwächestörungen werden ausgeglichen, Fülle abgeleitet, blockierte Energien, wie sie oft bei Schmerzen auftreten, wieder zum Fließen gebracht. Eine gute Chinesische Akupunktur vollzieht sich also auf verschiedenen Ebenen und mit verschiedenen Therapiemodalitäten wie z. B. eine Stimulation durch Bewegung der Nadeln wodurch ein Nadelgefühl entsteht, das ein Gefühl der Schwere, Druck, Kribbeln oder Wärme, teilweise auch ein Fließen bedingt. Auch die Beachtung einer tiefen Atmung in den gesamten Brustkorb fokussiert, kann die therapeutischen Wirkungen noch deutlich verstärken. Eine der großen Vorteile der Chinesischen Akupunktur ist, dass sie die Lebensenergie des Patienten in den Mittelpunkt stellt und sich gerade auch mit den vielfältigen Störungen durch Energieschwäche beschäftigt.

Akupunktur nach allen Regeln der Kunst

Die qualitativ hochwertige Chinesische Akupunktur nach den Regeln der Kunst unter Einschluss einer Chinesischen Diagnose zeigt nach Expertenmeinung deutlich bessere Erfolgsergebnisse, als die Behandlungsergebnisse aus den Krankenkassenstudien.

Die Qualitätsinitiative Akupunktur setzt sich für eine qualitativ hochwertige Ausbildung der Akupunkturtherapeuten ein und für die umfassende Information der Patienten. Nur damit wird auch zukünftig ein hoher Therapiestandard der Akupunktur in Deutschland gewährleistet sein. Die gesetzlichen Kassen sind nicht mehr bereit diese Akupunkturen zu bezahlen – außer für Knie- und Rückenschmerzen:

Akupunktur ist nicht nur bei den zwei Diagnosen Knieschmerzen und Rückenschmerzen hochwirksam sondern bei einem sehr breiten Spektrum von Erkrankungen. Es wird viele Patienten geben, die sich nicht auf zwei Diagnosen beschränken, sondern auch zukünftig bei anderen Diagnosen die guten Wirkungen der Akupunktur nutzen möchten.

Gerade bei chronischen Schmerzen z. B. Migräne, Trigeminusneuralgie, bei Allergie und Asthma, bei psychosomatischen Erkrankungen, bei Tinnitus und Depression, Suchterkrankungen oder bei Rehabilitation nach Schlaganfall ist Akupunktur eine hochwirksame Methode, oft viel wirksamer als westliche Medizinmethoden, wie dies auch die Modellvorhaben gezeigt haben. Bei diesem breiten Spektrum von Indikationen werden Patienten die einengende Gängelung der Kassenmedizin auf Krankenschein verlassen müssen und ihre wirksame Therapie selbst bezahlen. Die Entscheidung sollte den Patienten leicht fallen. Sie werden zu Kunden im Gesundheitssystem, in dem sie für wirksame Therapien von hoher Qualität selbst bezahlen werden.

Die Kosten-Nutzen-Relation der Akupunktur ist sehr gut. Bei Kosten von 400–700 Euro für eine Akupunkturserie von 10–15 Sitzungen erzielt man bei einer qualitativ gut angewendeten Akupunktur Heilerfolge von 60–80%.

 

In den Modellvorhaben (Studien) der Gesetzlichen Krankenversicherungen (ART und Gerac) waren die Erfolge geringer, weil in erster Linie eine einfache Akupunktur nach westlichen Therapieprinzipien angewendet wurde. Aber selbst hier war die Wirksamkeit der Akupunktur der westlichen Medizintherapie deutlich überlegen. Akupunktur ist bei chronischen Rückenschmerzen in der Langzeitwirksamkeit doppelt so wirksam wie übliche westliche Standardtherapie und bei Knieschmerzen dreimal so effektiv. Bei Spannungskopfschmerz und Migräne sind 11 Akupunktursitzungen in 6 Wochen geringfügig besser wirksam, als 6 Monate westliche medikamentöse Standardtherapie.

In einer sehr großen Studie ist es jetzt zum ersten Mal gelungen, nachzuweisen, dass die Akupunktur der westlichen Standardtherapie in der Langzeitwirksamkeit deutlich überlegen ist. Dies ist das sensationell gute Ergebnis der Akupunkturstudien ART und Gerac. Und dies obwohl in der Gerac-Studie eine einfache westliche Akupunktur und nicht eine auf einer Chinesischen Diagnose aufbauende Qualitätsakupunktur praktiziert wurde.

Die immer mehr reglementierte und einengende Kassenmedizin, die beim Arzt zwar scheinbar nichts kostet, bezahlen die Patienten monatlich mit ansteigenden Kassenbeiträgen. Die Krankenkassen-Beiträge steigen zum Jahreswechsel deutlich. Vom jetzigen Ausmaß sind selbst Experten überrascht. Dieses Kassensystem ist sehr bald am Ende, mit der großen Gesundheitsreform lässt es sich nicht reparieren.

Ein Allgemeinarzt wird von den gesetzlichen Krankenkassen im Rahmen der jetzigen Regelversorgung mit ca. 40 Euro im Quartal, d. h. durchschnittlich 13 Euro im Monat honoriert. Dafür kann er meist nicht viel anderes tun, als ein Rezept mit Medikamenten ausstellen. So gibt es oft eine Fließbandmedizin mit 80-100 Patienten am Tag in der Allgemeinpraxis, in der ein Rezept dem anderen folgt. Das ist systemkonform.

Die kleinen Pflaster, die jetzt notdürftig mit viel Geld in der großen Gesundheitsreform geklebt werden, verdecken zwar die Wunden des sterbenden Patienten Gesundheitssystem, aber die Mehrzahl der Menschen beginnt zu erkennen, dass dieses System nicht zu heilen ist.

Neue visionäre Ansätze sind notwendig um ein wirksameres Gesundheitssystem ins Leben zu rufen.