Gynäkologische Erkrankungen

von Gabriel Stux

Einleitung

Hauptanwendungen der Akupunktur auf dem Gebiet der Frauenheilkunde sind schmerzhafte Erkrankungen der Beckenorgane sowie funktionelle Beschwerden, wo die Akupunktur von besonderer Wirksamkeit ist. Nach chinesischer Vorstellung gehören die Genitalorgane zum Nierensystem. Der Lebermeridian spielt ebenfalls eine wichtige Rolle, weil er durch das Genital zieht. Der Ren Mai, der Meridian in der vorderen Mittellinie, wird wegen seiner engen Beziehung zu den Genitalorganen auch "Konzeptionsgefäß" genannt. Gynäkologische Erkrankungen behandelt man folglich mit den Punkten des Nieren- und Lebermeridians sowie des Ren Mai und des Du Mai. Von großer Bedeutung für den Therapieerfolg sind die diagnostische Differenzierung in Fülle- und Schwächestörung und die entsprechende Nadeltherapie oder Moxibustion.

Auch bei einem großen Spektrum urologischer Erkrankungen wird Akupunktur angewendet. Vor allem bei chronischen Entzündungen mit Reizzuständen und bei funktionellen Störungen im Urogenitalbereich zeigt die Akupunkturtherapie gute Wirksamkeit. Bei urologischen Erkrankungen liegt oft eine Schwäche des Nierensystems mit verminderter Aktivität, Müdigkeit, Energiemangel, kalten Füßen, Kältegefühl in der Lendengegend, Abwehrschwäche und Abnahme der Libido vor. Auch immer wiederkehrende Infekte der Harnorgane treten häufig auf. Im psychischen Bereich ist Willensschwäche und Angst mit daraus erwachsenden Rückzugstendenzen vorherrschend.

Menstruationsstörungen (Dysmenorrhö)

Nach chinesischer Vorstellung liegt hier entweder eine Füllestörung mit krampfartigen Schmerzen, die auf Druck oder Wärme zunehmen und in die Beine oder den Rücken einstrahlen, oder eine Schwächestörung vor. Bei der Schwächestörung treten während oder nach der Menstruation dumpfe Schmerzen auf, die durch Wärme oder Druck gemildert werden. Auch Schwindel, Müdigkeit oder Kälteempfindlichkeit sind hier anzutreffen. Bei der Füllestörung wird die Blockade von Qi und Blut mit kräftiger Stimulation, also dämpfend, behandelt. Bei der Schwächestörung wird neben der Nadelung Moxibustion an den tonisierenden Punkten der Niere angewandt.

Schmerzen bei Tumoren im Beckenraum Wegen ihrer guten schmerzlindernden Wirkung ist die Akupunktur bei Tumorschmerzen im Beckenraum angezeigt. Sie ist besonders empfehlenswert, da der Allgemeinzustand oft reduziert ist und die Akupunktur nicht die Nebenwirkungen anderer Schmerzmittel aufweist. Bei starken Schmerzen ist die elektrische Stimulation mit wechselnden Impulsmustern sehr wirksam.

Aus: Stux, Gabriel (1996); Akupunktur: Grundlagen - Techniken – Anwendungsgebiete, Kapitel VI; Beck’sche Reihe Wissen, Verlag C.H. Beck München