Heuschnupfen und Bronchialasthma

25 Jahre Erfahrung zu Asthma- und Heuschnupfen-Behandlung mit Akupunktur

Gabriel Stux

Heuschnupfen, die Allergische Rhinitis beruht nach Vorstellungen der westlichen Medizin auf einer übermäßigen Reaktion des Immunsystems in den oberen Atemwegen auf Pollen. Nase, Rachenraum und Bronchien sind am häufigsten betroffen. Auch die Augen und seltener die Ohren können von der allergischen Überreaktion betroffen sein. Die westliche Medizindiagnostik ergründet die Allergene, also bestimmte Stoffe auf der Pollenoberfläche, auf die der Körper allergisch reagiert und versucht den Körper an diese Antigene in einem Prozess der Desensibilisierung zu gewöhnen. Diese Therapie führt man in der allergiefreien Zeit durch. Es gibt aber viele Patienten die trotz jahrelanger Desensibilisierungstherapie weiterhin an Heuschnupfen oder allergischem Asthma leiden. Die Chinesische Medizin hat einen anderen Ansatz, der auf der Vorstellung aufbaut,dass die oberen Verdauungsorgane, das Milz Pankreas System,geschwächt sind und die Nahrung nicht ausreichend verdauen .Dadurch kommt es zu einer übermäßigen allergischen Reaktion. Von dieser Vorstellung ausgehend, stärkt man das geschwächte Milz Pankreas Organsystem in erster Linie mit Akupunktur undleitet die überschüssige Energie ab, die durch die allergische Reaktion an den Nasenschleimhäuten entsteht und zum Jucken und Brennen führt. Stärken des Milz Pankreas und Ableiten der übermäßigen und gestauten Energien in den oberen Atemwegen sind die beiden Therapiestrategien die man anwendet.

Die Therapie der Schwäche des Milz-Pankreas ist vielfältig: Im Mittelpunkt steht die Akupunktur und eine begleitende chinesische Ernährungsmedizin. Hier steht das strikte Meiden von Süßem im Vordergrund. Das Essen sollte sehr gut gekaut werden. Man sollte sich viel Zeit zum Essen nehmen und das Essen genießen. Kalte und „feuchte“ Nahrungsmittel wie Gurken, Melonen, rohe Mohrrüben sollte man meiden. Schwer verdauliche Lebensmittel und fette Speisen verschlimmern die Beschwerden.

Warme Nahrung, bereits morgens ist sehr nützlich und kann zu einer schnellen Besserung beitragen. Warme und nährende Suppen z. B. Hühnersuppe oder Gemüsesuppe sind zu empfehlen.

Man sollte nicht zu spät abends essen, da sonst die Nahrung zu lange unverdaut liegen bleibt und die Symptome deutlich verstärken kann. Milz Pankreas kann man auch mit der Chinesischen Ernährungsmedizin stärken. Warme Nahrung wärmt und nährt das Milz Pankreas System.

Mit Hilfe der Akupunktur, also der Nadelung von Punkten im Verlauf der Meridiane, die das zugehörige Organ Lunge dämpfen, kann man den Füllezustand der oberen Atemwege ausgleichen und so die normale Funktion der Schleimhäute wiederherstellen.

Um einen dauerhaften Ausgleich der Lebensenergie der Atmungsorgane zu erreichen, behandelt man Heuschnupfen mit 8-12 Akupunkturanwendungen. Die Therapie wird 1-2 Wochen vor dem voraussichtlichen Beginn der Heuschnupfenbeschwerden mit 2 Behandlungen pro Woche begonnen. Man behandelt im Allgemeinen 6-8 Wochen lang, in den letzten Wochen nur einmal wöchentlich.

Die Erfahrung von 25 Jahren Praxis in der Behandlung von über 1.000 Patienten mit allergischer Rhinitis und allergischem Asthma bronchiale zeigt eine sehr gute Wirksamkeit der Akupunktur. Die Erfolgsraten mit deutlicher Besserung der Symptomatik liegen bei Heuschnupfen im ersten Jahr bei 90 % der Patienten mit einer Besserung der Beschwerden, bei Asthma bei 60-80 %. Im zweiten Jahr der Heuschnupfentherapie ist häufig eine noch weiter gehende Beschwerdelinderung zu erreichen.

Eine große Untersuchung der Techniker Krankenkasse zeigt bei Heuschnupfen sehr gute Therapieergebnisse. Wissenschaftler der Charité in Berlin haben im Auftrag der TK drei Jahre lang geforscht und nach wissenschaftlichen Beweisen für die Wirksamkeit der Jahrtausende alten Akupunktur-Methode gesucht. Bei dieser weltweit größten randomisierten Studie mit über 250.000 Patienten und rund 10.000 niedergelassenen Ärzten kam heraus: Akupunktur „wirkt sicher und dauerhaft“ bei Kopfschmerzen, chronischen Nackenschmerzen und auch bei Heuschnupfen. „Jetzt liegt endlich der wissenschaftliche Beweis vor, dass Akupunktur in der Routineversorgung wirksam und sicher ist" so der Projektleiter Professor Dr. Stefan Willich, Direktor des Instituts für Sozialmedizin, Epidemiologie und Gesundheitsökonomie der Charité in Berlin. Neun von zehn Allergikern ging es auch sechs Monate nach der Behandlung noch deutlich besser. Noch höher lag die Besserungsrate bei Arthroseschmerzen 85 Prozent, Asthma 82 Prozent und Dysmenorrhoe 85 Prozent (Pressekonferenz der Techniker Krankenkasse im Januar 2004). Akupunktur wird immer häufiger als Alternative oder als ergänzende, komplementäre Behandlungsform bei Heuschnupfen angewendet. Die gute Wirkung der Akupunktur bei Heuschnupfen, aber auch bei anderen Allergien, zeigt sich gerade in der täglichen Anwendungspraxis der Akupunktur.

Bronchialasthma, Asthma bronchiale

Asthma bronchiale ist eine der Hauptindikationen der Akupunktur bei Erkrankungen der inneren Organe. Akute Formen zeigen meist dauerhafte Heilerfolge nach kurzer Therapiezeit. Selbst bei chronischem Verlauf über Jahrzehnte und bestehenden Lungenveränderungen gelingt es nachhaltig die Spastik und dann auch den Medikamentenkonsum deutlich zu reduzieren. Bei Asthmapatienten, die Kortikosteroide einnehmen, werden diese parallel mit der Akupunkturtherapie in den ersten Behandlungswochen langsam abgesetzt.

In der chinesischen Medizin unterscheidet man Asthma vom Fülle- oder vom Schwächetyp. Bei Asthma mit Schwächestörung der Lunge ist oft auch die Nierenenergie geschwächt. Asthma vom Fülletyp ist meist durch Husten und Ansammlung von Schleim gekennzeichnet.

Beim Bronchialasthma liegt eine Labilität der Bronchien vor, die auf verschiedene Reize, z. B. Staub, psychischer oder körperlicher Stress oder Kälte, mit einer Engstellung der Bronchialmuskulatur reagieren. Häufig findet man neben diesem Hauptsymptom der Atemnot auch eine übermäßige Schleimproduktion. Begleitend können auch die Stirn- oder Nebenhöhlen chronisch entzündet sein.

Bei Kindern und bei akuten Formen ist Akupunkturtherapie sehr wirksam. In akuten Fällen sind oft 10-15 Behandlungen ausreichend. Hier gelingt es fast immer, die Krankheit dauerhaft zu besiegen.

Bei chronischen, jahrzehntelangen Verlaufsformen mit bestehenden Lungenveränderungen ist eine Langzeittherapie mit 20-30 Sitzungen notwendig um einen nachhaltigen Behandlungserfolg zu erzielen.

Die Chinesische Akupunktur nach den Regeln der Kunst berücksichtigt die inneren Störungen der Lebensenergie des Patienten. Die Chinesische Akupunktur wird von 20-30 % der akupunktierenden Ärzte im Westen angewendet. Viele Ärzte praktizieren im Gegensatz dazu eine westlich symptomorientierte Form der Akupunktur. Diese geht in erster Linie von Krankheitskonzepten der westlichen Medizin aus, wie sie in der Anwendung von Medikamenten üblich sind. Rezeptartige Punktekombinationen stehen im Vordergrund, ohne Berücksichtigung der den Erkrankungen zugrundeliegenden energetischen Qi-Störungsmustern. Gerade bei chronischen Erkrankungen wie Asthma ist diese westlich symptomatische Akupunktur deutlich weniger wirksam, da sie die chinesische Diagnose nicht berücksichtigt. Bei chronischen Erkrankungen wie Asthma, Migräne, Tinnitus, Depression, Schlafstörung, Trigeminusneuralgie ist der Erfolg der Akupunkturbehandlung von der vorausgehenden chinesischen Diagnose und der Anwendung von gezielten Therapiestrategien abhängig.

Die Anwendung der chinesischen Akupunktur erfordert eine umfangreiche Akupunkturausbildung, die „Vollausbildung“ genannt wird und mindestens 350 Unterrichtsstunden umfasst. Westliche Akupunktur wird in der Regel von Ärzten mit einer „Grundausbildung Akupunktur“ von 140 Stunden Ausbildungszeit praktiziert.

Informationen:
Akupunktur: Grundlagen - Techniken – Anwendungsgebiete, Stux G (1996) Beck’sche Reihe Wissen, Verlag C.H. Beck München
Weitere Informationen zu diesem Thema finden Sie in den Fachbüchern:
Stux G, Stiller N, Pomeranz B (2003) Akupunktur Lehrbuch und Atlas, 6. Auflage Springer-Verlag
oder in Stux G (2003) Einführung in die Akupunktur, 6. Auflage Springer-Verlag.
sowie Stux G, Hammerschlag R (2001) Clinical Acupuncture Scientific Basis. Springer, Berlin Heidelberg New York