Reizdarm / Irritables Kolon

von Gabriel Stux

Das Beschwerdebild des häufig vorkommenden irritablen Kolon ist abwechslungsreich und durch eine vielfältige Kombination von Stuhlbeschwerden Verstopfung und / oder Diarrhö, Bauchschmerz, manchmal Schleimabgänge im Stuhl, Unverträglichkeit bestimmter Nahrungsmittel und vegetativen Beschwerden gekennzeichnet. Nach den Stuhlbeschwerden unterteilt man in 3 Gruppen: spastisches Kolon mit Verstopfung, "emotionale" Diarrhö und irritables Kolon mit Wechsel zwischen Verstopfung und Diarrhö. Blähbeschwerden sind häufig. Außergewöhnliche psychische Belastungen spielen eine große Rolle in der Entstehung dieser psychosomatischen Erkrankung. Oft verzeichnen die Patienten einen direkten Zusammenhang zwischen psychischen Belastungen und dem Auftreten von organischen Beschwerden wie Bauchschmerz, Blähbeschwerden, Völlegefühl oder Durchfällen. Ähnlich wie bei anderen Erkrankungen der Verdauungsorgane erfolgt vor der Akupunktur auch hier eine Differenzierung der Symptomatik nach den diagnostischen Kategorien der chinesischen Medizin.

Der Weg zu einer Diagnose ist in der chinesischen Medizin grundverschieden von dem Vorgehen in der heutigen westlichen Medizin. Der Arzt benutzt seine Sinne, um anhand der Symptome, den gestörten Funktionen von Organen, der äußeren Erscheinung des Patienten und der äußeren Untersuchung zur Diagnose von Störungsmustern der Lebenskraft Qi in den einzelnen Meridianen und Organen zu gelangen. Füllestörungen der Lebensenergie Qi der Leber oder auch Hitze- und Feuchtigkeitsstörungen im Dickdarm liegen bei akuten krampfartigen Schmerzen, akuter Diarrhö oder bei spastischer Verstopfung vor.

Schwächestörungen der Lebensenergie in erster Linie des Milz-Pankreas sind gekennzeichnet durch chronische Verstopfung, chronische Diarrhö mit Schwächesymptomen wie Appetitmangel, Müdigkeit, depressiver Stimmungslage, Angst bzw. Sorgen oder dumpfen Schmerzen. Hier steht die Moxibustion, d. h. das Anwärmen von Akupunkturpunkten, neben der Nadelung im Mittelpunkt der Therapie. Bei Füllestörungen sollte die Nadelung mit kräftiger Stimulation erfolgen. Die Stärkung bzw. eine Harmonisierung des Milz-Pankreas-Systems steht im Mittelpunkt der Therapie. Da sich die Störung auch im Dickdarm abspielt, sind Magenpunkte sowie Punkte des Dickdarms von großer Bedeutung.

Weitere Informationen für Patienten in
Akupunktur: Grundlagen - Techniken - Anwendungsgebiete von Stux G (1996) Beck'sche Reihe Wissen, Verlag C.H. Beck München