Kritische Betrachtungen zu ART und GERAC

Kritische Betrachtungen
zum Studiendesign von ART und Gerac und
Folgerungen für die Praxis der Akupunkturqualität

Gabriel Stux

Die großen deutschen Krankenkassenstudien ART und Gerac haben eine grundlegend falsche Prämisse im Studiendesign, die viel Verwirrung gestiftet hat. Das Studiendesign wurde von der Erforschung von Pharmaka kritiklos übertragen, bei denen die randomisierte Plazebo-Kontrolle (RCT-Randomised Controled Trials) das Standarddesign zum Wirksamkeitsnachweis ist.

Bei der Akupunktur ist eine Plazebokontrolle in Form von Nadeleinstich in Nicht-Akupunkturpunkte also in „beliebige Punkte“ nicht möglich, da die gesamte Körperoberfläche von Akupunkturpunkten mehr oder weniger dicht überzogen ist. Jeder Punkt hat eine gewisse Wirkung. Es werden bei jedem Einstich Endorphine lokal ausgeschüttet und auch zentrale Mechanismen in Gang gesetzt. (Siehe Akupunkturwirkschema von Pomeranz 1986).

Jeder Akupunkturpunkt fördert nach traditionell chinesischer Theorie das Fließen des Qi und hat damit eine gewisse therapeutische Wirkung. Oberflächliche Nadelung zur Vermeidung der Wirkungen ist nicht sinnvoll, da es sehr wirksame Methoden der japanischen Akupunktur mit geringer Einstichtiefe gibt. Auch dies hätten die Forscher wissen müssen. Eine Pilotstudie vor solch aufwändigen Studie wäre sinnvoll gewesen. Danach ist man aber bekanntlich auch durch die Fehler klüger geworden.

Nachträglich wurde die Kontrollgruppe auch nicht mehr Sham-Gruppe genannt, sondern „Minimalakupunktur“ oder „Gerac-Akupunktur“.

Man kann Akupunktur genau so wenig vortäuschen wie Massage oder Psychotherapie vorzutäuschen sind. Deshalb ist die Kontrolle auch außerhalb der Medikamentenforschung nicht üblich. Die Plazebo-Kontrolle ist aber im Studiendesign so eingefahren, dass das Aufgeben dieses Designs äußerst schwerfällt.

Aber auch das Tastentelefon wird vom Touch-phones abgelöst werden!

Neben weiteren Kritikpunkten im Studiendesign, die im Rahmen dieses Workshops nur am Rande beleuchtet werden können, ist die Qualität der Akupunkturanwendung bei den Krankenkassenstudien einer kritischen Betrachtung zu unterziehen. Die Akupunkturen in Deutschland werden in der überwiegenden Mehrzahl in westlicher Form praktiziert, d.h. meist ohne einer vorherigen Chinesischen Diagnose und weiteren zusätzlichen Modalitäten der Therapie.

Westliche Form der Akupunktur

Neben der chinesischen Akupunktur, praktiziert die Mehrzahl der Ärzte eine westlichte Form der Akupunktur. Diese geht in erster Linie von westlichen Diagnosen aus und von Krankheitskonzepten der westlichen Medizin, wie sie in der Anwendung von Medikamenten üblich sind. Rezeptartige Punktekombinationen stehen ganz im Vordergrund, ohne Berücksichtigung der den Erkrankungen zugrundeliegenden energetischen Störungsmustern.

Bei Schmerzen werden z.B. statt dem Medikament Diclophenac oder Aspirin schmerzlindernde Punkte wie Dickdarm 4 oder Magen 44 genadelt. Gerade bei chronischen Erkrankungen ist die westlich symptomatische Akupunkturanwendung weniger wirksam, da sie die zugrundeliegenden Störungsgegebenheiten, also die chinesische Diagnose nicht berücksichtigt. Diese Form der Akupunkturanwendung führt nicht zu dauerhafter Besserung oder zur Heilung. Sie zeigt lediglich eine kurzzeitige Linderung der Symptome, ähnlich wie Diclophenac auch nur kurz wirkt und immer wieder neu eingenommen werden muss. Bei chronischen Erkrankungen wie Migräne, Asthma, Tinnitus, Depression, Schlafstörung, Trigeminusneuralgie ist der Erfolg der Akupunkturbehandlung von der vorausgehenden chinesischen diagnostischen Einordnung der Erkrankung abhängig. Auch die konsequente Berücksichtigung der erarbeiteten Therapiestrategien ist von essentieller Bedeutung.

Als Folge dieser niedrigen Anwendungsqualität haben sich einige Experten in einer Initiative für Akupunkturqualität zusammengefunden. Diese Qualitätsinitiative Akupunktur hat ein Konsensuspapier mit 7 grundlegenden Modalitäten zur Akupunkturqualität erarbeitet für eine höherwertige Akupunktur.

Daraus ist dann ein Qualitätssiegel erwachsen, das Ärzte mit einer adäquaten Ausbildung und Praxiserfahrung erwerben können. Nur eine qualitativ hochwertige Akupunktur, eine Akupunktur nach allen Regeln der Kunst ermöglicht bestmögliche Therapieerfolge.

Dr. med. Gabriel Stux